Gerade die Homöopathie bietet gute Möglichkeiten der Selbstanwendung

Jedoch müssen einige Punkte beachtet werden um eine effiziente Wirkung zu erzielen. Dieser Beitrag soll dazu dienen, gerade bei akuten Erkrankungen sich selbst zu behandeln. Bei lebensgefährlichen Krankheiten oder Verletzungen müssen Sie selbstredend professionelle Hilfe durch den Arzt oder Heilpraktiker hinzuziehen.
In diesem Beitrag wird nicht eine bestimmte Krankheit angesprochen sondern es sind allgemeingültige Regeln die auch für weitere, spezielle Beiträge über bestimmte Krankheiten zu Grunde gelegt werden. Gezielte Krankheiten und Ihre Mittel zur Selbstbehandlung werde ich gesondert und gezielt abhandeln.

Auch als Laie kann man sich gut selbst behandeln. Wir dürfen jedoch nicht nur auf ein einzelnes Symptom hin das Mittel wählen. In der Praxis hat sich für den Hausgebrauch die unten angeführte Vorgehensweise bewährt. Dies gilt insbesondere für die klassische Homöopathie und gerade für Menschen mit wenig Kenntnissen. Die hier empfohlene Vorgehensweise dient als „erste Hilfe“ und oft erübrigt sich ein weiterer Besuch beim Homöopathen. Umso chronischer ein Fall wird desto schwieriger wird die Selbstbehandlung und dann ist auch professioneller Rat oft von Nöten. Das richtige Mittel zur rechten Zeit eingenommen, kann unter Umständen langwierige Krankenhausaufenthalte oder gar gefährlichere Zustände verhindern. In lebensbedrohlichen Notfällen empfiehlt es sich natürlich nicht, wertvolle Zeit zu verlieren. In diesen Fällen darf man als Laie niemals mit der Homöopathie experimentieren, sondern muss sofort den Notarzt verständigen. Dieser Punkt ist mir besonders wichtig und muss hervorgehoben werden!

Der erste Schritt

Lassen Sie uns aber mit der Selbstbehandlung beginnen. Als Beispiel möchte ich gleich zu Beginn mit einem Fallbeispiel anfangen:

Ein Kind, 7 Jahre alt. Beklagt sich über Bauchschmerzen. Die Mutter weiß dass sich Ihr Kind am Morgen in der Schule ziemlich über die Lehrerin geärgert hat, seit dem haben die Schmerzen angefangen. Die Bauchschmerzen werden besser wenn sich das Kind krümmt. Das Kind ist sehr gereizt und antwortet auf die Fragen der Mutter sehr schnippisch. Die Bauchschmerzen werden schlimmer wenn sich das Kind bewegt. Die Schmerzen werden verbessert wenn die Mutter auf das Bauch des Kindes drückt.

Was können wir nun aus der Beobachtung der Mutter herauslesen ?

Auslöser für die Schmerzen. ( Die Mutter weiß dass sich Ihr Kind am Morgen in der Schule ziemlich über die Lehrerin geärgert hat, seit dem haben die Schmerzen angefangen).

Gemütszustand ( Das Kind ist sehr gereizt und antwortet auf die Fragen der Mutter sehr schnippisch.)

Verschlimmerung durch (Die Bauchschmerzen werden schlimmer wenn sich das Kind bewegt).

Verbesserung durch ( Die Schmerzen werden verbessert wenn die Mutter auf das Bauch des Kindes drückt).

Wo sind die Schmerzen (Das Kind beschreibt die Schmerzen im Abdomen (Bauch)).

Zusammenfassend kann man sagen dass es hauptsächlich auf folgende Beobachtungen ankommt um das Mittel sicher zu verordnen (Selbstbehandlung):

  • Auslöser der Leiden
  • Gemütszustand
  • Verschlimmerung durch
  • Verbesserung durch
  • Lokalisation

(der letzte Punkt, die Lokalisation, ist nicht zwingend notwendig jedoch hilfreich)

Die Potenzen und das Wiederholen der Gabe

Jeder Therapeut, so scheint es, hat seine eigene Wahrheit über die Potenz die benötigt wird um einen Fall zu heilen. Manche verordnen lieber D-Potenzen, ein anderer lieber C-Potenzen. Der eine bevorzugt tiefe Potenzen der andere hohe Potenzen. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen eine Vorgehensweise an die Hand geben die sich seit Jahrzehnten, bei vielen Therapeuten, bewährt hat. Ich werde es so einfach wie möglich und so umfassend wie nötig gestalten. Was bringt es in einer akuten Situation, erst diesen Artikel zu lesen und Zeit zu verlieren, um das Mittel zu geben. Einfachheit siegt auch hier !

  1. Regel

Je akuter eine Situation desto höher kann und soll die Potenz sein. Umso chronischer, desto niedriger kann die Potenz ausfallen. Als Laie empfehle ich Ihnen jedoch nie höher als die C 200 zu gehen. In den meisten Fällen reicht schon die C 30 aus. Ich empfehle eine Hausapotheke der wichtigsten Mittel in der C 30 zu besorgen. Es gibt schon im Internet bei seriösen Online-Apotheken recht günstige „Röhrchen“ mit den wichtigsten Mittel. Über die homöopathische Hausapotheke werde ich einen eigenen Beitrag schreiben.

Warum benötigen wir bei akuten Erkrankungen so hohe Potenzen ? Der Grund ist einfach: Je akuter die Erkrankung desto schneller wird die Information des Mittels „verbraucht“. Ein anderer Grund ist der dass wir bei einer akuten Erkrankung eine stärkere Stimulation benötigen. Das Mittel muss schnell, sicher und stark wirken. Überdosierungen sind bei akuten Erkrankungen weitaus seltener zu beobachten als bei chronischen Erkrankungen.

  1. Regel

Je akuter die Erkrankung, desto häufiger die Wiederholungen der Gabe. Bei lebensgefährlichen Erkrankungen oder Verletzungen wiederholen wir die Gabe viertelstündlich bis Hilfe kommt. Bei sehr ernsten Zuständen sogar alle 5 Minuten. Bei den meisten akuten Erkrankungen wie Zahnungsbeschwerden, Magenschmerzen oder andere Zuständen geben wir zunächst eine Gabe. Wenn die Symptome zurückkommen wird wiederholt. Somit wären wir bei der 3. Regel angelangt:

  1. Regel

Wiederhole das Mittel nur dann wenn die Symptome zurückkommen. Als Beispiel möchte ich den oben genannten Fall anführen.

  1. Möglichkeit: Das Kind bekommt gegen die Magenschmerzen Colocynthis C 30. Die Schmerzen hören auf, das Kind beruhigt sich, fängt sogar an zu schlafen. Das Mittel wird natürlich nicht wiederholt. Das Kind wacht auf und berichtet, dass die Schmerzen viel erträglicher sind. Das Mittel wird weiterhin nicht wiederholt. Das Kind erholt sich gänzlich.
  2. Möglichkeit: Das Kind bekommt gegen die Magenschmerzen Colocynthis C 30. Die Schmerzen hören auf, das Kind beruhigt sich, die Schmerzen lassen nach. Nach ca. 30 Minuten kommen die Schmerzen zurück. Nun erfolgt wieder eine Gabe, die Schmerzen werden noch besser. Nach einer weiteren Stunde kommen die Schmerzen wieder zurück, jedoch sehr gut erträglich. Nun geben wir wieder eine Gabe und die Schmerzen kommen nicht wieder. Bei weniger akuten und erträglichen Fällen langt in der Regel das Mittel 2 mal täglich über 2 Tage zu geben.

Natürlich sind es nur Beispiele. Bei Notfällen oder Verdacht auf Blinddarmentzündung etc. niemals eigenmächtig handeln, sofort zum Arzt oder Heilpraktiker. Bis dahin können die Globulis wahre Wunder bewirken. Diese Beispiele dienen nur zur Veranschaulichung.

Die Anwendung der Arzneimittel

Bei der Einnahme der Globulis unterscheiden wir grundsätzlich zwischen der trockenen Einnahme, und der flüssigen Einnahme in einem halben Glas Wasser aufgelöst.

  1. Die trockene Einnahme

Bei der trockenen Einnahme werden pro Gabe 3 Globulis auf die Zunge gelegt. Diese Globulis lassen wir dann im Munde zergehen. 45 Minuten vor der Gabe und 45 Minuten nach der Gabe nichts essen, trinken oder rauchen. Wie bereits weiter oben beschrieben, reichen bei den meisten akuten Fällen 2 bis 3 Gaben mit jeweils 3 Globulis auf die Zunge aus. Bitte beachten Sie jedoch die Dreier-Regel: Wenn Sie das Mittel trocken einnehmen, so sollten Sie maximal 3 Tage lang 3 Gaben täglich einnehmen. Nicht überschreiten. Sonst riskieren Sie Verschlimmerungen. Diese Regel gilt jedoch nicht, wenn Sie die Globulis in Wasser auflösen. Hierbei können Sie das Mittel viel öfter einnehmen. Die Wassermethode möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

  1. Einnahme in Wasser aufgelöst

Bei dieser Methode lösen Sie bitte 3 Globulis des passenden Mittels in einem halben Glas Wasser auf. Rühren sie das Wasser ca. 5 mal kräftig um, als ob Sie Zucker im Tee verrühren würden. Mit einem Holz-, Glas,- oder Plastiklöffel nehmen Sie nun einen Teelöffel der Flüssigkeit in Ihr Mund. Lassen Sie diese Gabe paar Sekunden im Mund und schlucken dann diese runter. Das war nun eine Gabe in der gelösten Form. Nun können Sie die Gabe bei Bedarf, wie weiter oben beschrieben, beliebig wiederholen. Diese Form der Gabe eignet sich besonders gut für Fälle die sich immer wieder verschlimmern. Somit können Sie bei Bedarf sogar alle 5 Minuten das Mittel einnehmen bis sich die Lage entspannt hat. Sollte sich die Situation nicht wirklich bessern – keine Zeit verlieren, bei Notfällen sollte der Notarzt sowieso schon vor der Gabe benachrichtigt werden.

Die Vorteile dieser Methode sind die mildere Wirkung ohne die Gefahr der Erstverschlimmerung durch eine Überdosierung. Somit können die Gaben öfters eingenommen werden. Das einzige Problem an der Sache ist, dass ein gefährlicher Notfall dadurch verschleiert werden kann weil es immer wieder zu einer Besserung der Symptome kommt. Daher müssen Sie bei einem dringenden Verdacht auf einen Notfall sofort auch den Notarzt benachrichtigen. Als Laie kann man solche prekäre Situationen oft nicht selbst erkennen. Bei ungefährlichen akuten Situationen wie zum Beispiel einem Schlag mit dem Hammer auf den Daumen etc. kann man sich mit der Homöopathie gut selbst behandeln.

Woran merke ich, ob ich das richtige Mittel gewählt habe ?

Nach der Einnahme des Mittels kommt es häufig zu einer Besserung aller Symptome. Auch geistige Symptome werden beeinflusst. Das kann bedeuten:

  • Die Schmerzen lassen nach
  • Man fühlt sich allgemein „erleichtert“
  • Eine Müdigkeit macht sich breit (Heilschlaf)
  • Der Schlaf wird tiefer
  • Negative Gedanken weichen.
  • Es kommt zu Ausscheidungen. Z.B bei Verstopfung kommt es zum Stuhldrang oder bei Vergiftungen kann es zu erbrechen kommen. Der Körper ist auf dem Weg der Heilung.

Rangfolge der Wichtigkeit der gewählten Rubriken:

Bei der Klassischen Homöopathie gibt es sehr wichtige Symptome und Rubriken und weniger wichtige. Bei der Wahl des Arzneimittels sollten Sie eher die wichtigen Rubriken ins Auge fassen. Unten beschreibe ich die Wichtigkeit der Rubriken. Angeordnet nach Ihrer Priorität, d.h weiter oben liegende Punkte sind wichtiger als weiter unten liegende.

  1. Auslöser
  2. Geistige und emotionale Symptome
  3. Verschlimmerung durch
  4. Verbesserung durch
  5. Lokalisation der Beschwerden

Was heißt das nun im Klartext ?

Wenn wir z.B den Auslöser und die emotionalen Symptome einer Erkrankung kennen, müssen diese auf jeden Fall im Mittelbild zu sehen sein. Wenn dann noch Verschlimmerung durch und Verbesserung durch auch noch zum Arzneimittel passen, haben wir wahrscheinlich einen Volltreffer gelandet. Achten Sie bitte darauf dass zumindest 3 der oben genannten Modalitäten zutreffen. Nur so können wir zufriedenstellende Ergebnisse erwarten. Folgend möchte ich noch paar Beispiele aufführen um die Priorität der Rubriken zu verdeutlichen:

Beispiel: Wir haben 3 Mittel die zum Fall passen. Jedoch jeweils nur zum Teil

Auslöser (z.B Beschwerden durch Unterkühlung) passt zum Mittel

Geistige und emotionale Symptome passt zum Mittel

Verschlimmerung durch passt zum Mittel

Verbesserung durch passt nicht zum Mittel

Lokalisation passt nicht zum Mittel

Auswertung: Wahrscheinlich ein Volltreffer. Wenn das Mittel alleinig die oben aufgeführte Kombination aufweist, können wir das Mittel mit Sicherheit geben, weil die wichtigsten Rubriken mit Auslöser, geistige und emotionale Symptome abgedeckt werden. Achten Sie bitte darauf dass mindestens 3 Rubriken zutreffen.

Mittel Nr. 2

Auslöser (z.B Beschwerden durch Unterkühlung) passt nicht zum Mittel

Geistige und emotionale Symptome passt nicht zum Mittel

Verschlimmerung durch passt zum Mittel

Verbesserung durch passt zum Mittel

Lokalisation passt zum Mittel

Auswertung: Das Mittel ist wahrscheinlich nicht passend, da die wichtigsten Symptome wie Auslöser und geistige Symptome nicht zum Mittel gehören.

Mittel Nr. 3

Auslöser (z.B Beschwerden durch Unterkühlung) passt zum Mittel

Geistige und emotionale Symptome passt nicht zum Mittel

Verschlimmerung durch passt zum Mittel

Verbesserung durch passt zum Mittel

Lokalisation passt nicht zum Mittel

Auswertung: Das Mittel passt sehr wahrscheinlich. Weil 3 Rubriken stimmen. Zudem ist auch noch die Rubrik mit der höchsten Priorität stimmig. Mittel 1 passt jedoch am besten, weil es gleich 2 der am wichtigsten Rubriken in sich trägt. (Auslöser und emotionale Symptome)

Was mache ich jedoch, wenn mein Fall keinen Auslöser oder keine eindeutigen geistigen oder mentalen Symptome aufweist: Dann nehmen Sie die Rubriken Verschlimmerung durch, Verbesserung durch und die Lokalisation der Beschwerde. Denken Sie daran: es müssen mindestens 3 Rubriken zutreffen. Je mehr, desto besser.

Sehr wichtig: Es müssen mindestens 3 Rubriken mit Sicherheit zutreffen. Denken Sie an den „dreibeinigen Stuhl“. Ein Stuhl muss mindestens 3 Beine haben damit wir auf den Stuhl sitzen können. So ist es auch mit der homöopathischen Selbstbehandlung. Professionelle Homöopathen nehmen natürlich noch viel mehr Rubriken in die Wahl des passenden Mittels, sie haben jedoch ganz andere Werkzeuge. Deshalb ist die Regel mit dem „dreibeinigen Stuhl“ für Laien sehr gut durchführbar. Vor allem in akuten Situationen.

Wie Sie sehen ist eine gute Selbstbehandlung mit der Homöopathie möglich. In diesem Beitrag habe ich die wichtigsten Prinzipien schemenhaft zusammengestellt. Für das Abwehren akuter Erkrankungen dürfte das genügen. Ich habe in diesem Artikel bewusst keine bestimmte Krankheit angesprochen, sondern nur allgemeingültige Regeln aufgestellt. In folgenden Beiträgen werde ich bestimmte Krankheitsbilder und deren Selbstbehandlung durchnehmen. Dieser Artikel dient demnach als die Grundlage für meine spezielleren Abhandlungen über bestimmte Krankheiten.

Selbstanwendung homöopathischer Mittel. Allgemeine Anweisungen und Richtlinien zur Selbstbehandlung

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